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Telefonieren in der Praxis

Vorbereitung, Gesprächsführung, Notiz danach. Und was rechtlich beim Anrufen gilt.

Klicken Sie auf eine Frage, um die Antwort zu lesen.

Warum telefonieren statt schreiben?

Aus drei Gründen, und alle drei sind praktisch:

  1. Die rechtliche Hürde ist niedriger. Im Geschäftsverkehr genügt eine mutmaßliche Einwilligung; bei E-Mail-Werbung braucht es eine ausdrückliche.
  2. Sie erfahren mehr in fünf Minuten als aus zwanzig Mails: warum jemand nicht kann, wann es passen würde, wer eigentlich entscheidet.
  3. Sie bekommen die Einwilligung. Ein gutes Telefonat endet oft mit „schicken Sie mir das doch mal“ — und das ist die Grundlage für alles Weitere.

Was das Telefon nicht kann: viele Menschen gleichzeitig erreichen. Deshalb die Arbeitsteilung: Mail für die Breite, Telefon für die Tiefe.

Und der Kombinationseffekt, der am besten wirkt: erst die Mail, dann der Anruf mit Bezug darauf.

Was mache ich vor einem Anruf?

Zwei Minuten in die Akte sehen — das ist der ganze Unterschied zwischen einem guten und einem beliebigen Anruf.

Was Sie dort suchen:

  • Wann war der letzte Kontakt und worüber?
  • Gibt es eine offene Zusage — von Ihnen oder von der anderen Seite?
  • Hat ein Kollege kürzlich angerufen?
  • Läuft eine Kampagne an diese Person?

Der letzte Punkt ist der peinlichste, wenn man ihn übersieht: Ein Anruf mit „ich wollte fragen, ob Sie Interesse haben“ bei jemandem, dem Sie gestern eine Mail geschickt haben, wirkt planlos.

Und legen Sie sich einen Satz zurecht, warum Sie anrufen. Nicht mehr — ein Skript hört man.

Wie fange ich ein Gespräch an?

Mit Name, Firma und dem Grund — in drei Sätzen, dann Pause.

„Guten Tag, Anna Beispiel von der Nordwind GmbH. Sie haben letzte Woche eine Ausschreibung für einen Projektleiter veröffentlicht. Ich rufe an, weil wir drei Leute im Bestand haben, die passen könnten — passt es gerade kurz?"

Was daran wirkt:

  • Der Grund kommt sofort. Wer nach zwanzig Sekunden noch nicht weiß, worum es geht, legt auf.
  • Die Frage am Ende gibt das Gespräch ab und respektiert, dass die andere Seite arbeitet.

Was nicht funktioniert:

  • „Wie geht es Ihnen?“ bei jemandem, den Sie nicht kennen.
  • „Haben Sie kurz Zeit?“ ohne zu sagen, wofür.
  • Ein auswendig gelernter Absatz. Man hört es.

Ich komme nicht an der Zentrale vorbei.

Dann arbeiten Sie mit der Zentrale statt gegen sie — sie ist kein Hindernis, sondern die beste Auskunft im Haus.

Was funktioniert:

  • Nach dem Namen fragen, nicht nach der Person: „Wer ist bei Ihnen für die Personalplanung zuständig?“ Diese Frage wird fast immer beantwortet.
  • Ehrlich sein. „Ich möchte Ihnen etwas anbieten“ wird eher durchgestellt als eine ausweichende Erklärung.
  • Nach der besten Zeit fragen, wenn nicht durchgestellt wird. „Wann erreiche ich ihn am ehesten?“
  • Den Namen notieren, den Sie erfahren haben. Beim nächsten Anruf fragen Sie nach der Person, nicht nach der Funktion.

Was nicht funktioniert: Tricks. „Er erwartet meinen Anruf“ fällt auf und verbrennt den Kontakt dauerhaft.

Und: Die Zentrale merkt sich Sie. Freundlichkeit ist hier eine Investition.

Ich erreiche niemanden. Wie oft versuche ich es?

Drei Versuche zu verschiedenen Zeiten, dann ein anderer Weg.

Was hilft:

  • Zeiten variieren. Wer dienstags um zehn nicht da ist, ist es donnerstags um vier vielleicht. Früh morgens und nach 16 Uhr erreicht man oft Entscheider, weil dann keine Termine laufen.
  • Notieren, wann Sie es versucht haben. Sonst rufen Sie dreimal am selben Wochentag an.
  • Nach dem dritten Mal: eine kurze Mail mit Bezug auf die Anrufversuche und einem konkreten Terminvorschlag.

Auf den Anrufbeantworter sprechen: ja, aber kurz — Name, Firma, ein Satz Grund, Nummer, und dass Sie es noch einmal versuchen. Keine Verkaufsbotschaft.

Und wenn nach fünf Versuchen nichts kommt: Wiedervorlage in drei Monaten und weitermachen.

Was notiere ich nach dem Gespräch?

Sofort, in zwei bis vier Sätzen, solange Sie noch den Hörer in der Hand haben:

  1. Mit wem Sie gesprochen haben — Name und Funktion, wenn neu.
  2. Was besprochen wurde, in Stichworten.
  3. Was vereinbart wurde und von wem.
  4. Wann Sie sich wieder melden — und das gleich als Wiedervorlage.

Was Sie nicht notieren sollten: Wertungen über die Person. „Wirkte desinteressiert“ hilft niemandem und kann bei einer Auskunftsanfrage angefordert werden.

Der Grund, warum das die wichtigste Gewohnheit im ganzen System ist: Ein Telefonat ohne Notiz ist nach zwei Tagen weg. Adressen kann man nachtragen, Kategorien nachpflegen, Kampagnen wiederholen. Ein Gespräch nicht.

Vierzig Sekunden je Anruf. Das ist der gesamte Preis.

Wie kombiniere ich Kampagne und Anruf?

Mail zuerst, Anruf mit Bezug darauf — das ist die wirksamste Kombination überhaupt.

Der Ablauf:

  1. Kampagne läuft, Erstkontakt geht hinaus.
  2. Drei bis fünf Tage später die Kontakte anrufen, die am wichtigsten sind. Nicht alle — die zwanzig, bei denen es sich lohnt.
  3. Bezug nehmen: „Ich hatte Ihnen am Dienstag geschrieben wegen …“

Warum das wirkt: Die Mail schafft Wiedererkennung, der Anruf schafft das Gespräch. Und der Bezug macht aus einem kalten Anruf einen warmen.

Was Sie dabei prüfen müssen: ob die Mail überhaupt zugestellt wurde. Ein Anruf mit Bezug auf eine Mail, die im Spam landete, wirkt seltsam. Die Zustellinformation steht in der Kampagne.

Und notieren Sie den Anruf — sonst fasst die Kampagne automatisch nach, obwohl Sie längst gesprochen haben.

Wen darf ich anrufen?

Achtung: Werbeanrufe bei Verbrauchern ohne ausdrückliche vorherige Einwilligung sind bußgeldbewehrt — mit einem Rahmen bis in den sechsstelligen Bereich.
  • Verbraucher: nur mit vorheriger ausdrücklicher Einwilligung. Das wird streng verfolgt und ist bußgeldbewehrt.
  • Unternehmen: es genügt eine mutmaßliche Einwilligung — ein sachlicher Grund für die Annahme, dass der Anruf willkommen ist.

Was „mutmaßlich“ praktisch heißt:

  • Ein Bezug zum Geschäft des Angerufenen muss erkennbar sein.
  • Anruf bei einem Pflegedienst wegen Personalvermittlung: eher ja.
  • Anruf bei demselben Pflegedienst wegen Büromöbeln: eher nein.

Was Sie tun sollten: notieren, worauf Sie die Annahme stützen. Eine veröffentlichte Ausschreibung, eine Messe, eine Empfehlung — das ist die Begründung, die Sie im Zweifel brauchen.

Und: Auch ein zulässiger Anruf endet, wenn jemand sagt, er wolle keine mehr. Das ist ein Widerspruch und gilt dauerhaft.

Dürfen wir Gespräche mitschneiden?

Achtung: Ein heimlicher Mitschnitt eines Telefonats ist eine Straftat. Auch mit guter Absicht.

Nur mit Einwilligung aller Beteiligten — und die muss vor der Aufzeichnung eingeholt werden.

Ein heimlicher Mitschnitt ist strafbar (§ 201 StGB), unabhängig davon, wofür er gedacht war.

Was das praktisch heißt:

  • Ansage am Anfang und die Möglichkeit, zu widersprechen.
  • Wer widerspricht, wird nicht aufgezeichnet — das Gespräch muss trotzdem stattfinden können.
  • Zweck und Löschfrist festlegen und einhalten.
  • Bei Beschäftigten ist die Aufzeichnung mitbestimmungspflichtig.

Die ehrliche Empfehlung für kleine Betriebe: Lassen Sie es. Der Aufwand ist erheblich, das Risiko auch, und eine gute Notiz nach dem Gespräch leistet für Ihre Zwecke dasselbe.

Wie gehe ich mit „kein Interesse“ um?

Einmal nachfragen, dann annehmen.

Die Nachfrage, die funktioniert: „Darf ich fragen, woran es liegt?“ — ohne Argumentation, ohne Gegenangebot. Sie kostet nichts und bringt oft die eigentliche Information: kein Bedarf, schon versorgt, falscher Zeitpunkt, falscher Ansprechpartner.

Diese vier Antworten bedeuten Verschiedenes:

  • Kein Bedarf: Wiedervorlage in einem Jahr.
  • Schon versorgt: Wann läuft der Vertrag? Das ist der wertvollste Satz des Gesprächs.
  • Falscher Zeitpunkt: Wann passt es? Wiedervorlage auf dieses Datum.
  • Falscher Ansprechpartner: Wer ist der richtige?

Was nicht funktioniert: nachfassen, überzeugen, ein zweites Argument. Das verwandelt eine höfliche Absage in eine unfreundliche.

Und notieren Sie den Grund. Wenn dreimal derselbe kommt, sagt das etwas über Ihr Angebot.

Jemand bittet um Rückruf. Was jetzt?

Termin vereinbaren, nicht „ich melde mich“ sagen.

Der Unterschied ist erheblich: Ein vereinbarter Rückruf am Donnerstag um 10 Uhr findet statt. Ein „ich melde mich demnächst“ landet in einer Reihe von Absichten.

Was Sie tun:

  1. Konkreten Termin vorschlagen. Zwei Möglichkeiten anbieten, nicht offen fragen.
  2. Wiedervorlage auf diesen Termin, mit einer Notiz, worum es ging.
  3. Pünktlich anrufen. Wer den vereinbarten Rückruf verpasst, hat den Eindruck verspielt, den er aufbauen wollte.

Und wenn Sie es nicht schaffen: kurz Bescheid geben und neu vereinbaren. Das ist unangenehm und trotzdem besser als schweigen.

Bei einem Kunden sprechen mehrere Personen mit. Wie halte ich das fest?

Je Person ein eigener Kontakt, alle bei derselben Firma — nicht ein Kontakt mit fünf Namen im Notizfeld.

Warum: Die Firmenakte zeigt Ihnen dann alle Beteiligten mit ihrer jeweiligen Historie. Sie sehen, wer was gesagt hat und wer zuletzt erreicht wurde.

Was Sie je Person festhalten sollten:

  • Funktion und Rolle im Entscheidungsprozess. Wer entscheidet, wer beeinflusst, wer setzt um?
  • Wer ist der Zugang zu wem?

Und die Frage, die man früh stellen sollte: „Wer entscheidet darüber am Ende?“ Sie klingt unangenehmer, als sie ist, und erspart Wochen an Gesprächen mit der falschen Person.

Notieren Sie die Antwort. Sie ist beim nächsten Projekt genauso gültig.

Wie baue ich mir eine gute Anrufliste?

Aus Filter und Sortierung, und mit einer Regel: eine Liste, ein Anlass.

Beispiele, die funktionieren:

  • Nachfassliste: Kontakte einer Kampagne, die nicht geantwortet haben, sortiert nach Wichtigkeit.
  • Wiedervorlagen von heute — die wichtigste Liste überhaupt.
  • Alte Kontakte: Kategorie „Bestandskunde“, sortiert nach letztem Kontakt, älteste zuerst.
  • Regionalliste: Ortsfilter für eine Tour.

Was eine Anrufliste brauchbar macht:

  • Nicht zu lang. Fünfzehn bis dreißig Namen für einen Vormittag.
  • Gleichartig. Wer zwischen fünf verschiedenen Anlässen springt, kommt in keinen Rhythmus.
  • Am Stück abarbeiten. Telefonieren ist Konzentrationsarbeit; alle zwanzig Minuten drei Anrufe funktioniert nicht.

Wie schaffe ich es, regelmäßig zu telefonieren?

Als Block im Kalender, nicht als Absicht zwischendurch.

Was funktioniert:

  • Feste Zeiten, zwei Blöcke à 90 Minuten in der Woche. Im Kalender, wie ein Kundentermin.
  • Liste vorher gebaut. Wer erst beim Telefonieren sucht, telefoniert nicht.
  • Nicht unterbrechen. Kein Mailprogramm, kein Nebenher.
  • Warmlaufen mit den leichten Anrufen — bekannte Kontakte zuerst, dann die schwereren.

Und der ehrliche Teil: Telefonieren ist unangenehm, und das wird es auch. Was hilft, ist nicht Motivation, sondern Gewohnheit — derselbe Tag, dieselbe Zeit, dieselbe Vorbereitung.

Nach dem Block: Notizen fertig machen und Wiedervorlagen setzen. Das gehört zum Block, nicht danach.

Steht Ihre Frage nicht dabei?

Versuchen Sie es über die Suche — die geht über alle Kapitel auf einmal. Und wenn hier wirklich etwas fehlt, sagen Sie uns Bescheid: im Programm unten rechts über „Fehler melden“.