Mailtexte, die gelesen werden
Betreff, Einstieg, Länge, Abschluss. Was eine Serienmail lesbar macht und was sie sofort erledigt.
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Wie schreibe ich einen Betreff, der geöffnet wird?
Der Betreff hat eine einzige Aufgabe: sagen, worum es geht — nicht neugierig machen.
Was funktioniert:
- Konkret und kurz. Unter 50 Zeichen, sonst wird er am Handy abgeschnitten.
- Der Anlass, wenn es einen gibt: „Nachfrage zu Ihrer Ausschreibung Projektleitung“.
- Ein Name, wenn er etwas bedeutet: „Empfohlen von Herrn Krause“.
Was nicht funktioniert:
- Werbesprache. „Ihre Chance“, „exklusiv“, „jetzt sichern“ — das sind die Wörter, nach denen Spamfilter suchen.
- Ausrufezeichen. Eines reicht, um den Eindruck zu verderben.
- Alles in Großbuchstaben.
- „RE:“ oder „FW:“ vortäuschen. Das ist eine Täuschung, und der Empfänger merkt sie.
Der Test: Würden Sie diese Mail öffnen, wenn sie von einem Unbekannten käme?
Womit fange ich an?
Mit dem Grund, warum Sie schreiben — nicht mit sich.
Schlecht: „Mein Name ist Anna Beispiel, ich bin Geschäftsführerin der Nordwind GmbH, wir sind seit 1998 im Bereich …“
Gut: „Sie suchen einen Projektleiter für die Werkserweiterung in Chemnitz. Ich habe drei vergleichbare Projekte begleitet.“
Der Unterschied: Der zweite Satz zeigt, dass Sie sich mit dem Empfänger befasst haben. Der erste zeigt nur, dass Sie einen Serienbrief verschicken.
Die ersten zwei Zeilen entscheiden — sie sind das, was in der Vorschau des Mailprogramms steht, noch bevor jemand öffnet. Schreiben Sie sie zuletzt und mit der meisten Sorgfalt.
Und lassen Sie „Ich hoffe, es geht Ihnen gut“ weg. Das schreibt jeder, und es weiß jeder, dass es nicht stimmt.
Wie lang darf eine Serienmail sein?
Kürzer, als Sie denken. Als Anhaltspunkt: 80 bis 150 Wörter für eine Erstansprache. Das sind fünf bis acht Sätze.
Der Grund ist nicht Ungeduld, sondern das Gerät: Die meisten geschäftlichen Mails werden zuerst am Handy gesichtet. Was dort mehr als eine Bildschirmhöhe braucht, wird auf „später“ verschoben, und später ist nie.
Der Aufbau, der in diese Länge passt:
- Warum ich schreibe (ein Satz).
- Was ich anbiete oder frage (zwei bis drei Sätze).
- Was der nächste Schritt wäre (ein Satz).
Alles, was Sie sonst noch sagen wollen, gehört ins Gespräch — nicht in die Mail, die dazu führen soll.
Beim Nachfassen wird es noch kürzer: drei Sätze reichen.
Wie baue ich eine Erstansprache auf?
Vier Teile, in dieser Reihenfolge:
- Bezug. Warum ausgerechnet dieser Empfänger — eine Ausschreibung, eine Empfehlung, eine Gemeinsamkeit.
- Angebot. Was Sie können, in einem Satz, mit einem Beleg. Nicht „langjährige Erfahrung“, sondern „drei vergleichbare Projekte, zuletzt bei einem Zulieferer mit 200 Mitarbeitenden“.
- Nutzen. Was der Empfänger davon hat.
- Nächster Schritt. Eine einzige, kleine Frage.
Der vierte Punkt ist der, an dem die meisten scheitern. „Melden Sie sich bei Interesse“ ist kein Schritt. „Passt ein kurzes Telefonat am Donnerstagvormittag?“ ist einer — er lässt sich mit ja oder nein beantworten.
Fragen Sie klein. Wer noch nichts von Ihnen weiß, sagt nicht zu einem Termin über zwei Stunden zu.
Wie beende ich die Mail?
Mit einer Frage, die klein genug ist, um mit ja beantwortet zu werden.
Gut: - „Wäre ein kurzes Telefonat nächste Woche möglich?“ - „Soll ich Ihnen zwei Referenzen schicken?“ - „Passt Donnerstag um 10 Uhr?“
Schlecht: - „Bei Interesse melden Sie sich gern.“ (kein Schritt) - „Ich freue mich auf Ihre Rückmeldung.“ (kein Schritt) - „Lassen Sie uns über Ihre Anforderungen, Ihr Budget und Ihren Zeitplan sprechen.“ (zu groß)
Zwei Fragen sind eine zu viel. Wer zwischen zwei Möglichkeiten wählen soll, wählt oft keine.
Und darunter: eine Signatur mit Namen, Telefonnummer und Firma. Bei geschäftlichen Mails gehören die Pflichtangaben Ihres Unternehmens dazu.
Wie persönlich soll eine Serienmail wirken?
Persönlich genug, um nicht wie eine Serienmail zu wirken, und ehrlich genug, um keine vorzutäuschen.
Was Platzhalter leisten: Anrede, Name, Firma. Das ist die Grundausstattung und fällt nur auf, wenn es fehlt.
Was wirklich wirkt, ist ein echter Bezug: die Ausschreibung, auf die Sie sich beziehen; der Standort; die Branche. Genau dafür sind Kategorien und Kampagnen in Stufen da — eine Mail an zwanzig Empfänger derselben Branche kann konkret sein, eine an zweitausend nicht.
Was nicht wirkt: künstliche Nähe. „Lieber Herr Krause, wie schön, wieder von Ihnen zu hören“ an jemanden, von dem Sie nie gehört haben, ist keine Personalisierung, sondern eine Behauptung.
Faustregel: Lieber kleinere Gruppen mit konkreteren Texten als eine große mit einem allgemeinen.
Ein Text für alle oder mehrere für Gruppen?
Mehrere. Der Aufwand ist kleiner, als er aussieht, und der Unterschied im Ergebnis größer.
Der Grund: Ein Text, der für Handwerksbetriebe, Kliniken und Steuerberater gleichzeitig passen soll, passt für keinen. Er wird allgemein — und allgemeine Mails werden gelöscht.
Praktisch:
- Zwei bis vier Fassungen reichen fast immer.
- Der Rahmen bleibt gleich, nur zwei bis drei Sätze ändern sich: der Bezug, das Beispiel, der Nutzen.
- Die Vorlage duplizieren und anpassen ist eine Sache von zehn Minuten.
Woran Sie die richtigen Gruppen erkennen: Wenn Sie beim Schreiben denken „bei denen ist das eigentlich anders“, dann ist es eine eigene Gruppe.
Was schreibe ich beim Nachfassen?
Kurz und ohne Vorwurf. Drei Sätze:
- Bezug auf die erste Mail — in einem Halbsatz, nicht als Zitat.
- Ein neuer Gedanke. Etwas, das in der ersten Mail nicht stand.
- Dieselbe kleine Frage.
Der zweite Punkt ist der entscheidende. Eine Nachfassmail, die nur „ich wollte nochmal nachfragen“ sagt, gibt dem Empfänger keinen Grund, jetzt zu antworten, wenn er es beim ersten Mal nicht getan hat.
Was Sie nicht schreiben sollten:
- „Leider habe ich noch nichts von Ihnen gehört.“ Das klingt nach Vorwurf.
- „Sicher ist meine Mail untergegangen.“ Unterstellend.
- Die erste Mail vollständig darunter. Macht sie doppelt so lang.
Und: Zwei Nachfassungen sind genug. Wer dreimal nicht antwortet, antwortet auch beim vierten Mal nicht.
Welche Formulierungen sollte ich vermeiden?
Die, die nach Werbung klingen — sie kosten Aufmerksamkeit und erhöhen die Wahrscheinlichkeit, im Spam zu landen:
- „Kostenlos“, „gratis“, „unverbindlich“, „exklusiv“, „einmalig“
- „Jetzt“, „sofort“, „nur noch heute“
- „Ihre Chance“, „Wettbewerbsvorteil“, „Erfolgsgarantie“
- Ausrufezeichen, mehr als eines im ganzen Text
- Großbuchstaben zur Hervorhebung
- Farbige, große Schrift
Dazu die inhaltlichen:
- „Wir sind der führende Anbieter“ — behauptet jeder.
- „Individuelle Lösungen“ — sagt nichts.
- „Gerne stelle ich Ihnen unser Portfolio vor“ — der Empfänger will kein Portfolio, sondern eine Antwort auf sein Problem.
Der einfachste Test: Lesen Sie die Mail laut. Wo Sie sich selbst nicht zuhören würden, streichen Sie.
Soll die Mail gestaltet sein — mit Logo, Farben, Bildern?
Bei Erstansprache: nein. Eine schlichte Textmail wirkt wie eine persönliche Nachricht; eine gestaltete wie ein Newsletter, und Newsletter von Unbekannten liest niemand.
Dazu kommt: Bilder und aufwendiges HTML erhöhen die Wahrscheinlichkeit, im Spam zu landen, und viele Mailprogramme laden Bilder gar nicht erst.
Bei Newslettern an Menschen, die zugestimmt haben, ist Gestaltung in Ordnung — dort erwartet man sie.
Die Faustregel:
- Akquise: schlicht, wie eine Mail von einem Kollegen.
- Newsletter: darf gestaltet sein, muss aber ohne Bilder lesbar bleiben.
Ein Logo in der Signatur ist beides nicht — das ist üblich und in Ordnung.
Welche Anrede, und was, wenn ich den Namen nicht kenne?
Mit Namen, wo Sie ihn haben. „Sehr geehrter Herr Krause“ ist der Standard im Geschäftsverkehr und in keiner Branche falsch.
Wenn der Name fehlt:
- Nicht „Sehr geehrte Damen und Herren“ an eine persönliche Adresse. Das zeigt, dass Sie nicht wissen, wen Sie anschreiben.
- Besser: den Namen herausfinden. Bei einer überschaubaren Liste lohnt der Aufwand; er ist der Unterschied zwischen einer Mail und einem Wurfsendung.
- Wenn es gar nicht geht, ist eine allgemeine Anrede an eine allgemeine Adresse (info@) in Ordnung.
Was Sie unbedingt prüfen müssen: dass der Platzhalter gefüllt ist. „Sehr geehrte/r ,“ ist der Fehler, der jede Mail sofort entwertet — deshalb gibt es die Testmail und die Prüfung der Empfängerliste.
Was muss rechtlich in einer geschäftlichen Mail stehen?
Dieselben Pflichtangaben wie auf einem Geschäftsbrief — sie gelten für E-Mails genauso:
- Firma in der vollständigen, eingetragenen Form mit Rechtsform.
- Anschrift.
- Registergericht und Registernummer, wenn eingetragen.
- Vertretungsberechtigte Personen (Geschäftsführung, Vorstand).
Das gehört in die Signatur, nicht in den Text. Bei Werbemails kommt hinzu:
- Abmeldemöglichkeit, leicht erkennbar und ohne Anmeldung.
- Kein verschleierter Absender. Absendername und -adresse müssen erkennen lassen, wer schreibt.
Aurora setzt die Signatur und den Abmeldelink; prüfen Sie einmal in einer Testmail, dass beides drinsteht und stimmt.
Wie prüfe ich einen Text, bevor er hinausgeht?
In dieser Reihenfolge:
- Vorschau mit einem echten Kontakt. Sehen Sie sich an, wie die Mail bei einem bestimmten Empfänger aussieht — mit seinen Daten in den Platzhaltern.
- Testmail an sich selbst, an eine Adresse, die Sie sonst nicht benutzen.
- Am Handy lesen. Nicht am Rechner. Dort sehen Sie, was Ihre Empfänger sehen.
- Laut lesen. Findet die Stellen, an denen es hakt.
- Von jemand anderem lesen lassen, der den Text nicht geschrieben hat.
Worauf Sie beim Handy achten: Wie viel sieht man ohne zu scrollen? Ist die erste Zeile die, die überzeugt? Ist die Telefonnummer anklickbar?
Und ein Blick in den Spam-Ordner der Testadresse. Wenn Ihre eigene Testmail dort landet, landen die anderen auch dort.
Woran erkenne ich, ob mein Text funktioniert?
An den Antworten, nicht an Öffnungen — die werden hier bewusst nicht gemessen.
Was Sie beobachten können:
- Antwortquote. Bei kalter Ansprache sind ein bis fünf Prozent üblich; bei warmen Kontakten deutlich mehr.
- Art der Antworten. Zehn Absagen sind besser als null Antworten: Sie zeigen, dass die Mail gelesen wurde und der Text verstanden wurde.
- Abmeldungen. Ein Ausreißer nach oben heißt, der Ton hat nicht gepasst.
Wenn Sie zwei Fassungen vergleichen wollen: eine Sache ändern, nicht drei. Betreff oder Einstieg oder Schlussfrage. Sonst wissen Sie hinterher nicht, was gewirkt hat.
Und geben Sie einer Fassung genug Empfänger. Bei zwanzig Mails ist jeder Unterschied Zufall.
Kann ich den Text von der KI schreiben lassen?
Als Rohentwurf ja, als Endergebnis nein — und der Grund ist ein praktischer: KI-Texte klingen wie KI-Texte, und Empfänger erkennen das inzwischen.
Woran man sie erkennt: perfekt gebaute Sätze ohne Ecken, Dreierlisten, Wendungen wie „in der heutigen schnelllebigen Geschäftswelt“, viel Bejahung, wenig Konkretes.
Wofür sie gut sind:
- Rohentwurf, den Sie umschreiben.
- Kürzen eines eigenen, zu langen Textes.
- Varianten einer Betreffzeile zum Auswählen.
Wie Sie daraus einen brauchbaren Text machen: Streichen Sie alles Allgemeine und setzen Sie Konkretes aus Ihrem Geschäft ein — Zahlen, Orte, Namen, Beispiele. Was übrig bleibt, ist meist ein Drittel, und das ist der gute Teil.
Duzen oder siezen in Serienmails?
Im geschäftlichen Erstkontakt: siezen. Das ist in Deutschland der Standard, und wer siezt, macht nie etwas falsch.
Duzen nur, wenn:
- Ihre Branche es durchgängig tut (Kreativwirtschaft, Sport, Teile der IT),
- Sie die Person kennen und schon duzen,
- Ihre gesamte Außenkommunikation duzt.
Was nicht geht: Wechseln. Weder innerhalb einer Mail noch zwischen den Stufen einer Kampagne. Prüfen Sie das ausdrücklich, wenn Sie Vorlagen kopiert oder von jemand anderem übernommen haben — dort sitzt der Fehler meistens.
Bei Kampagnen an gemischte Empfänger: siezen. Wer geduzt werden möchte, sagt es; wer gesiezt werden will, sagt nichts und ärgert sich.
Soll ich der Erstansprache etwas anhängen?
Nein. Ein Anhang in einer unerwarteten Mail von einem Unbekannten wird nicht geöffnet, und erhöht die Wahrscheinlichkeit, dass die ganze Mail aussortiert wird.
Was stattdessen:
- Einen Link auf eine Seite, auf der das Dokument liegt. Der Empfänger entscheidet, ob er hinsieht.
- Anbieten statt schicken. „Soll ich Ihnen die Referenzliste schicken?“ ist ein Schritt, der zu einer Antwort führt.
Anhänge sind richtig, wenn sie erwartet werden: eine angefragte Unterlage, ein Angebot, ein Vertrag, ein Profil, um das gebeten wurde.
Und wenn Sie einen anhängen: PDF, unter 15 MB, mit einem Dateinamen, den man lesen kann. Nicht „Dokument_final_v3_neu.pdf“.
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